IVD-Studie belegt: Mietspiegelreform sorgt für sinkende Preise

In vielen deutschen Großstädten steht derzeit wieder eine wichtige Umfrage an: Hat sich binnen der letzten vier Jahre etwas am Mietvertrag getan? Und wenn ja: Wie groß ist die Wohnung, wo liegt sie und welche Extras hat sie (z.B. eine Fußbodenheizung)?

Durch diese Datenerhebung ermitteln Städte und Kommunen in regelmäßigen Abständen die Basis für den Mietspiegel (der im Zuge der nächsten Mietrechtsreform 2016 novelliert wird), einem wichtigen Richtwert für Vermieter und Mieter, zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete.

Und seit letztem Jahr gilt: Ist die Mietpreisbremse aktiv, darf die Miete bei einem neuen Vertrag höchstens auf den Wert der ortsüblichen Vergleichsmiete plus 10 % gesetzt werden.

Vermieter und Eigentümer kritisierten deshalb bereits in der Vergangenheit, dass die Neuerungen den „echten“ Mietwert der Immobilie verzerren und nur unzureichend widerspiegelen.


Und zu ihrem Verdruss steht in diesem Jahr gleich eine zweite Reform an, mit der der rechtliche Spielraum für eine Mieterhöhung drastisch reduzieren: Der Mietspiegel soll geändert und auf eine breitere Basis gestellt werden.

Nach den Plänen von Heiko Maas würden zur Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete dann nicht mehr nur die Verträge der letzten vier Jahre berücksichtigt werden, sondern auch die der vorherigen sechs Jahre (also insgesamt 10 Jahre).

IVD-Studie zur Mietspiegelreform: Mietspiegel wird sinken

Und dass Maas mit seiner Reform genau ins Schwarze treffen wird, belegt jetzt eine IVD-Studie.

Der Verband hat dazu für 15 deutsche Großstädte den Mietspiegel auf Basis des aktuellen Gesetzentwurfs entwickelt. Wir haben die Ergebnisse für Sie aufbereitet:

Mietniveau der vergangenen 4 JahreMietniveau der vergangenen 10 JahreUnterschied in %
München11,9310,58-11%
Stuttgart10,259,14-11%
Hamburg8,97,84-12%
Frankfurt8,88,14-8%
Köln8,77,99-8%
Düsseldorf8,638-7%
Nürnberg7,286,77-7%
Berlin7,236,47-11%
Hannover7,135,88-18%
Bremen7,086,16-13%
Essen6,666,41-4%
Dresden6,535,82-11%
Dortmund5,575,24-6%
Leipzig5,244,88-5%
Duisburg4,8351%

 

Das Ergebnis ist eindeutig: Die ortsübliche Vergleichsmiete würde in fast allen Großstädten von heute auf morgen sinken, sofern der Gesetzentwurf in seiner jetzigen Form umgesetzt wird.

Besonders betroffen wären Hamburg mit einem durchschnittlichen Absinken des Mietspiegels um 12 % und Hannover mit 18 %. Lediglich die Vermieter in Duisburg dürften von Maas´ Plänen angetan sein: Dort würde die Vergleichsmiete ein wenig steigen.

Des einen Leid, des anderen Glück

Kaum einen wundert es da, dass Mieterverbände Maas´ Pläne befürworten und um eine schnelle Umsetzung bitten: „Die Ausweitung des Bezugszeitraums auf zehn Jahre entspricht einer Forderung des Mieterbundes“, sagte der Bundesdirektor des Mieterbunds Lukas Siebenkotten. „Wir erwarten, dass dadurch die Dynamik bei Preissteigerungen in bestehenden Mietverhältnissen eingegrenzt wird.“

Mietspiegelreform: Nicht mit uns!

Doch erntet Heiko Maas für seine Pläne nicht nur Lob und Anerkennung. Gerade in den Reihen der Union und insbesondere in Immobilien-, Eigentümer- und Vermieterverbänden formiert sich Widerstand: „Die Pläne des Justizministers sind ein Masterplan zur Abschreckung privater Investoren und Vermieter“, warnt IVD-Präsident Jürgen Michael Schlick. Seiner Auffasung nach führt diese „Manipulation“ der ortsüblichen Vergleichsmiete geradezu dahin, dass sie vielerorts auf ihrem aktuellen Niveau eingefroren wird und dadurch keine Mietsteigerungen mehr möglich sind. In letzter Konsequenz droht ein Desinteresse der Vermieter an neuen Investitionen in ihre Objekte.

Union lehnt Reform ab

„Die bestehende Zeitspanne von derzeit vier Jahren hat sich bewährt“, entgegnet dagegen der CDU-Mietrechtsexperte Jan-Marco Luczak auf Maas´ Reformplan und verweist dabei auf ganz praktische Probleme: Ein Mietspiegel, in den auch Mietverträge einfließen, die bereits vor 10 Jahren geschlossen wurden, sagen nichts über den Marktwert einer frisch sanierten Wohnung aus.

Stattdessen sieht die Union eine Lösung des Mietproblems darin, die Investitionen in den Neubau deutlich zu steigern: „Nur mit mehr Wohnungsneubau können wir die Ursachen steigender Mieten langfristig bekämpfen“.

Passend dazu wurde Anfang Februar ein entsprechender Gesetzesentwurf vorgestellt, der durch steuerliche Erleichterungen einen Anreiz für Investoren schaffen soll, um in den Neubau von Mietwohnungen im unteren und mittleren Preissegment zu investieren. Genauere Details zum Gesetzentwurf zur Förderung des Mietneubaus finden Sie auf deubner-steuern.de

Quelle:
sz.de
ivd.net

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