Mietpreisbremse umgehen: Möblierte Wohnungen machen es möglich

Vor mehr als einem Jahr trat die Mietpreisbremse in Kraft. Seitdem haben rund 300 Städte und Gemeinden die Regelungen übernommen, um dem rasanten Mietanstieg einen Riegel vorzuschieben.

Doch Vermieter haben ein neues Schlupfloch gefunden: Sie vermieten ihre Wohnungen möbliert. Dann greift auch die Mietpreisbremse nicht mehr.

Möblierte Wohnungen boomen

Etwas ist auffallend: In immer mehr deutschen Großstädten werden möblierte Wohnungen angeboten. In München sind es mittlerweile etwa 25 Prozent mehr als noch vor vier Jahren, in Stuttgart stieg der Wert von 31 Prozent auf 61 Prozent und in Frankfurt von 34 auf 61 Prozent an. Das hat das Beratungsunternehmen Empirica im Auftrag von „Süddeutsche Zeitung“ in einer Studie festgestellt.

Vergleicht man die Inserate möblierter Wohnungen mit gleichwertigen Objekten ohne Ausstattung, ist noch etwas auffallend: Möblierte Objekte werden zu deutlichen teureren Preisen angeboten als ihre unmöblierten Pendants. So bezahlt ein Mieter in München für einen Quadratmeter einer möblierten Wohnung durchschnittlich kalt 26,28 EUR. Der Quadratmeterpreis für eine Wohnung ohne Einrichtung ist rund 10 EUR günstiger – Mieter zahlen dafür nur 16,26 EUR im Durchschnitt.

Das gleiche Bild zeigt sich auch in Stuttgart und Frankfurt: Möbliert gibt es den Quadratmeter in der baden württembergischen Hauptstadt für 22,02 EUR, in der Main-Metropole für 20,70 EUR. Unmöbliert hingegen zahlen Mieter dagegen nur 11,81 EUR in Stuttgart und 13,11 EUR in Frankfurt. Und das trotz Mietpreisbremse, die die zulässige Obergrenze eigentlicht auf den ortsüblichen Mietspiegel zuzüglich 10 Prozent deckeln sollte.
 

Keine klaren Regelungen zu Aufschlag

Fakt ist: Grundsätzlich gelten die Regelungen der Mietpreisbremse auch für möblierte Wohnungen. Allerdings dürfen Vermieter bei Wohnungen auf Zeit oder Einliegerwohnungen für die zusätzliche Ausstattung einen Aufschlag auf den Mietzins verlangen. In der Regel entspricht dieser zwei Prozent des Zeitwerts der Möbel.

Da der Aufschlag aber nicht explizit im Mietvertrag aufgeführt werden muss, ist es für Mieter in der Regel nur schwer nachzuvollziehen, wie sich der Gesamtmietzins zusammensetzt und ob ein Gesetzesverstoß vorliegt. Und selbst wenn, sei noch immer nicht durchschaubar, wie der Zeitwert eines Möbelstücks zu beziffern wäre. Das kritisieren auch Mieterverbände schon seit Längerem.

Mietpreisbrese ausgehebelt: Zufall oder Absicht?

Empirica beobachtet richtigerweise, dass das Zusammenfallen der Mietpreisbremse und dem Zunehmen an möblierten Wohnungen wohl kein Zufall sein kann. Laut dem Bericht der „SZ“ sei diese Beobachtung in allen sieben von Empirica beobachteten Großstädten zu machen. Versuchen Vermieter tatsächlich, die Mietpreisbremse auf diese Weise zu umgehen? Und holen Sie sich Maklergebühren zurück, die aufgrund des Bestellerprinzips nun derjenige zahlen muss, der einen Auftrag vergibt?

Nein meint zumindest das Beratungsunternehmen F+B: Auffallend sei die Zunahme eben nur in großen deutschen Städten. Das Unternehmen führt die Entwicklung deshalb auf die hohe Nachfrage zurück, die durch Mitarbeiter mit befristeten Verträgen, Studenten und Projektstellen entstehe. Und für ebendiese Mietergruppen sei eine Möblierung einer Wohnung, die sowieso nur auf Zeit angemietet wird, nicht rentabel.

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2 Kommentare zu “Mietpreisbremse umgehen: Möblierte Wohnungen machen es möglich

  1. Es stimmt doch gar nicht, dass eine Miete nur 10% oberhalb des
    Mietspiegels liegen darf. Das höre und lese ich immer wieder in so „schlampig“ formulierter Form. Tatsächlich darf eine ERHÖHUNG der bisherigen Miete nicht über diesen 10% oberhalb des Mietspiegels liegen – zahlte eine Mieter aber schon ein Vormieter, ist es auch beim Nachmieter legal, diese Miete zu verlangen.

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